3 – 7 praktische Tipps zum Handlettering Üben
An dieser Stelle habe ich daher 7 Tipps für dich, wie du das Üben von Handlettering so gestalten kannst, dass du vorwärtskommst und auch dran bleibst. Denn wie du jetzt hoffentlich weisst: Ohne Üben funktioniert es einfach nicht.
Üben kann, darf und sollte vor allem aber eins machen: Spass.
3.1 Spass beim Lettering Üben
Aus meiner Sicht ist der Spass beim Üben der allerwichtigste Tipp, den ich dir geben kann. Schau dir die restlichen Tipps an und nimm das mit, was dir am meisten hilft. Probier aus und schau, was für dich funktioniert. Was du aber auf keinen Fall weglassen darfst, ist der Spass.
Ohne Spass wirst du das Üben und somit schlussendlich auch das Lettering schnell mal aufgeben. Wir müssen im Leben ja schlussendlich schon genug machen, was uns nicht unbedingt Spass macht. Dann darf – und sollte – ein Hobby wie Lettering unbedingt Spass machen.
Wahrscheinlich weisst du, dass es viel bringt, wenn du immer wieder dieselben Bewegungen und Buchstaben malst. Das kann aber manchmal auch langweilig sein und vielleicht fehlt dir die Motivation. Dann lass das sein und lettere und gestalte etwas, worauf du Lust hast!
Vielleicht gestaltest du eine tolle Karte, du letterst einen Spruch, der dich beschäftigt oder du schaust ein Video aus einem Online-Kurs, welches dir genau zeigt, was du machen kannst und wie du das machen solltest. Eine solche Begleitung hilft viel und motiviert auch. Schlussendlich geht es darum, zu praktizieren und zu machen. Und einfach viel Spass zu haben.

3.2 Quantität vor Qualität
Kennst du den Gedanken: „Am liebsten würde ich jedes Mal Meisterwerke gestalten.“ Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Leider ist das nicht unbedingt der Weg, der uns beim Lettering am schnellsten voranbringt.
Wenn du Handlettering und verschiedene Schriften beherrschen willst, dann gilt das Motto „Viel hilft viel“. Es geht beim Üben nicht darum, möglichst perfekte Letterings zu gestalten. Das darf natürlich durchaus seinen Platz haben, sollte aber nicht dein grösstes Ziel sein. Viel wichtiger ist die Menge an Übungen und Buchstaben, die du letterst.
Je mehr du Buchstaben gestaltest, desto mehr festigt sich dein motorisches Gedächtnis und desto schneller kommst du vorwärts.
Es gibt so eine Geschichte, die ich mal gelesen habe. (Leider weiss ich nicht mehr wo, ich finde die Aussage dahinter (oder die „Moral der Geschichte“) aber wunderbar.)
Ein Maler bekam von einem König den Auftrag, sein Pferd zu malen. Als nach mehreren Monaten immer noch kein Bild da war, schickte der König seine Leute zum Maler, um nachzufragen, wie es um sein Bild stand. Der Maler schickte sie aber wieder weg. Nach weiteren Monaten (oder sogar Jahren) hatte der König keine Geduld mehr und ging selbst zum Maler, um zu schauen, wie es um sein Bild stand. Beim Maler angekommen, nahm dieser ein Blatt und malte ein prächtiges Pferd. Der König war begeistert und gleichzeitig auch empört: „Wenn du so schnell ein so prächtiges Pferd malen kannst, warum hat das jetzt so lange gedauert?“ Der Maler zeige ihm an dieser Stelle sein Atelier. Darin gab es tausende von Skizzen, Zeichnungen und Studien von Pferden und einzelnen Körperteilen der Pferde. In jeder nur erdenklichen Haltung und aus jedem möglichen Winkel. Der Maler meinte: „Das Bild, welches ich dir scheinbar mühelos und schnell gemalt habe, hat mich jahrelange Arbeit gekostet. Harte Arbeit, damit ich dir jetzt mühelos ein prächtiges Pferd malen kann.“
Und genau das darfst du dir auch fürs Lettering merken. Viel hilft viel und mit jeder Skizze, mit jeder Übung, mit jedem Strich und jedem Buchstaben den du letterst, legst du schlussendlich den Grundstein dafür, dass auch du irgendwann mal mühelos ein wunderbares Lettering aufs Papier zaubern kannst.
Je mehr du letterst, desto einfacher fällt es dir mit der Zeit.
3.3 Häufig und regelmässig
Du weisst ja jetzt, dass es beim Üben darum geht, das motorische Gedächtnis zu trainieren. Und das schaffst du durch Regelmässigkeit und häufiges Üben.
Es ist viel besser, täglich 5-10 Minuten zu üben, als wenn du einmal die Woche für eine Stunde übst.
Natürlich kannst du auch mal länger üben. Aber bedenke, dass sich unser Gehirn normalerweise so zwischen 20 – 30 Minuten richtig konzentrieren kann. Nach dieser Zeit solltest du eine Pause machen.
In diesen Pausen solltest du etwas wirklich Anderes machen. Frische Luft und Bewegung sind super, denn sie helfen unserem Gehirn, das Gelernte zu verarbeiten.
Versuch nicht alles auf einmal zu wollen. Schritt für Schritt vorwärtsgehen und nicht von heute auf morgen perfekte Werke gestalten wollen.
3.4 Fokus setzen: Was bereitet dir noch Probleme?
Natürlich willst du beim Lettering auch vorwärtskommen und das Üben soll schlussendlich ja auch etwas bringen.
Daher mein Tipp an dich: Analysiere deine Letterings und schau dir an, wo du noch Probleme hast. Vor allem beim Brush Lettering, bei dem es stark darum geht, ein Werkzeug zu beherrschen, ist das sehr hilfreich. Hast du zum Beispiel Mühe mit dem Übergang vom Ab- zum Aufstrich? Dann nimm dir ein paar Minuten ganz bewusst und fokussiert Zeit und übe genau diesen Punkt.
Stundenlang dasselbe üben und lettern macht weder Spass, noch ist es wirklich zielführend. (Du erinnerst dich: Wir lernen vieles schlussendlich auch im Schlaf. Und Konzentration sollte ja auch noch da sein…) Deshalb nimm dir einfach 5 – 10 Minuten, in denen du dich wirklich fokussiert auf einen Punkt achtest, den du verbessern willst. Alles andere darfst du an dieser Stelle gerne auch mal vergessen. Überforderung und an zu vieles auf einmal denken zu wollen, bringt dich nicht weiter.
3.5 Wiederholung der Bewegungsabläufe
Gerade wenn du eine neue Schrift lernst ist es wichtig, gewisse Bewegungsabläufe der einzelnen Buchstaben und Striche immer wieder zu üben. Wiederholung ist wichtig. Und zwar nicht nur bei schwierigeren Lettering-Techniken wie dem Brush Lettering, sondern auch bei vermeintlich einfachen Druckbuchstaben.
Gleichmässige Buchstaben entstehen durch viel Wiederholung. Eine super Hilfe ist da das Nachfahren.
Übungsblätter (zum Beispiel aus meinen Kursen) helfen dir dabei, Buchstaben immer gleich zu zeichnen. Um das motorische Gedächtnis zu trainieren ist es wichtig, dass du immer wieder dieselbe Bewegung übst. Das machst du am besten mit Nachfahren einer Vorlage.
Mit dem Nachfahren zeigst du deinen Händen, was sie tun sollen – und zwar immer und immer wieder. An dieser Stelle genug Geduld zu haben ist wichtig, sodass du nichts Falsches lernst. (Schlussendlich ist jeder Fehler beim Üben eine falsche Information. Daher ist Nachfahren essenziell, weil du so deinen Händen die korrekte Information lieferst, was sie genau tun sollen.)
Beim Üben musst du schlussendlich auch eine richtige Grundhaltung haben. Du möchtest ernsthaft etwas lernen und beherrschen – und da braucht es manchmal auch Hilfsmittel.

3.6 Konzentration oder Multitasking
Wir Menschen sind alle total unterschiedlich und was für die einen das Beste ist, gilt für andere überhaupt nicht.
Daher ist es wichtig, dass du dich mal gut beobachtest und herausfindest, was für dich denn am besten funktioniert.
Brauchst du zum Lettern absolute Stille, so dass du dich konzentrieren kannst? Oder brauchst du eher gegenteilig etwas Begleitung in Form eines Podcasts, Hörbuches oder Musik – weil dir das besser hilft dich zu konzentrieren? Probier es aus und finde heraus, in welcher Situation dir Lettering am meisten Spass macht.
Musik zum Beispiel kann Konzentration fördern. Aber Achtung: Wir arbeiten beim Handlettering ja mit Buchstaben und Wörtern. Daher kann dich der Text in einem Song schnell mal ablenken. (Häufig dann, wenn es ein deutscher Text ist und du ihn problemlos verstehst.) Auch einen zu starken Beat solltest du eher vermeiden, weil das den Puls in die Höhe treibt. Dabei bräuchten wir beim Lettering eher einen ruhigen Puls und eine ruhige Hand.
3.7 Lettering üben zur Gewohnheit werden lassen
Wir Menschen lieben Gewohnheiten. Die helfen unserem Gehirn nämlich, weniger Leistung aktiv zu verbrauchen, weil wir Gewohnheiten ganz automatisch machen. Dieses Prinzip können wir uns auch beim Lettern zunutze machen.
Vielleicht wird Lettering sogar zu einem kleinen Ritual für dich. Jeden Morgen nach dem Aufstehen, nach dem Mittagessen oder vor dem zu Bett gehen nimmst du dir ein paar Minuten Zeit, die du einfach nur für dich und dein neues Hobby investierst.
Das regelmässige Lettern sollte nicht ein anstrengendes Üben sein, sondern eine Auszeit und etwas, was dir Spass macht.
Eine neue Gewohnheit zu schaffen braucht am Anfang Disziplin und manchmal auch etwas Durchhaltevermögen. Je nach Studie aus der Wissenschaft dauert es zwischen 20 – 60 Tagen (teilweise auch noch länger), bis etwas zur Gewohnheit wird. Sobald etwas aber eine Gewohnheit ist, kommt dir das gar nicht mehr so anstrengend vor und du setzt dich mühelos hin und letterst. Dank der Gewohnheit regelmässig.
