„Mit diesem einen Stift werde ich bestimmt besser!“
Du hast schon erste Erfahrungen gemacht im (Brush) Lettering und bist eigentlich auch völlig begeistert. Es sieht sooooo toll aus, wenn du die Letterings von anderen anschaust.
Nur – so der Vergleich zwischen deinem Lettering und einem Lettering, welches du auf Instagram siehst, macht dich weder richtig zufrieden noch glücklich.
Also denkst du dir: „Das liegt bestimmt am falschen Stift. Ich muss einfach diesen einen Stift (den ich auf Instagram gesehen habe und mit welchem Person X ein wunderschönes Lettering gemacht hat) noch haben und ich werde auch so schön lettern können!“
So leid es mir tut: Das ist ein Trugschluss und einfach nicht wahr.
Mit einem neuen Stift wirst du bzw. dein Lettering nicht automatisch besser!

Es ist nicht das Material – sondern die Technik
Nur weil du mit demselben Brush Pen letterst wie jemand, der das richtig gut kann (und meistens auch schon jahrelang macht!), kannst du das leider nicht automatisch gleich gut.
Ja, das Material ist wichtig und es ist wichtig, dass du einen Brush Pen findest, der dir liegt und den du magst. Dazu musst du aber nicht alle Stifte die es gibt ausprobieren.
Das, was entscheidend ist für deinen Erfolg beim Lettering, ist die Technik dahinter. Wenn du die Technik verstehst, ist der Stift nur zweitrangig.
Ein Brush Pen ist schlussendlich „nur“ das Werkzeug.
Natürlich macht es einen Unterschied, ob du gutes oder schlechtes Werkzeug benutzt.
Nehmen wir mal ein Beispiel aus dem Baumarkt. Es gibt Bohrmaschinen für 50.- und es gibt Bohrmaschinen für 200.-. Und ich habe mir sagen lassen, dass es mit einer „guten“ Bohrmaschine schon etwas einfacher ist, ein Loch in die Wand zu bohren. Aber wenn du dann ein schräges Loch bohrst – dann ist das Loch einfach schräg. Völlig egal, wie viel du jetzt für die Bohrmaschine ausgegeben hast. Eine teure Bohrmaschine hilft dir nicht automatisch, ein gerades Loch zu bohren.
Ich hoffe, du verstehst, was ich mit diesem Beispiel sagen will: Werkzeuge bringen dich nicht automatisch weiter, du musst die Technik dahinter verstehen. Sonst bringt auch das „beste“ Werkzeug nichts.
Klar, der richtige Stift kann auf alle Fälle einen Unterschied machen. Aber solange du die Grundlagen nicht kennst und beherrscht spielst es keine (grosse) Rolle, mit welchem Stift du dich an Lettering herantastest.
Gewöhnung
Wenn du immer wieder neue Stifte ausprobierst, dann heisst das, dass du dich nicht an einen Stift gewöhnen kannst.
Ich spreche jetzt hier hauptsächlich von Brush Pens, aber schlussendlich gilt das auch für Fineliner und Co.
Jeder Stift hat seine speziellen und individuellen Eigenarten.
Vergleichen wir doch mal den Tombow Fudenosuke und den Pentel Brush Sign Pen. Zwei kleine Brush Pens, die ich Anfänger:innen gerne empfehle, wenn sie mit Brush Lettering beginnen.
Da haben wir einerseits die offensichtlichen Unterschiede, wie die Farbauswahl. Aber auch im Handling sind die Brush Pens unterschiedlich.
Der Tombow Fudenosuke (hard) ist ziemlich hart und daher fällt es dir wahrscheinlich ziemlich leicht, einen schön dünnen Aufstrich damit zu gestalten. Der Übergang zwischen einem Auf- und Abstrich hingegen ist schwieriger, weil der Stift eben ziemlich hart ist. In meinen Lettering Kursen ist das immer wieder Thema: Die Übergänge werden leicht kantig oder sogar etwas abgehackt.
Der Pentel Brush Sign Pen hingegen ist etwas weicher und daher ist es auch schwieriger, einen schön dünnen Aufstrich zu lettern. Der Übergang zwischen dem Auf- und Abstrich hingegen ist einfacher, weil der Stift die Übergänge etwas „smoother” macht.
An dieser Stelle kannst du dir daher z.B. die Frage stellen: Was fällt dir grundsätzlich schwerer? Dann entscheide dich für den Stift, der dir besser dabei hilft.
Ja – du kannst mit beiden Stiften schön lettern. Aber du musst dich an die Eigenarten eines Stiftes gewöhnen. Das braucht Zeit.
Und das müssen übrigens alle – egal ob Anfänger:in oder Profi. An einen (neuen) Stift muss man sich immer gewöhnen.
