Mein Name ist Franziska, ich bin 40 Jahre alt und lebe mit Mann, drei Kindern und meinem Chihuahua Picco am Rand von Berlin.
Wie bist du zum Lettering gekommen?
Ich habe schon als Kind und Jugendliche viel gemalt und vor allem im Unterricht vor mich hingekritzelt, aber da wurde nie mehr draus. Als ich dann „erwachsen“ war, blieb neben Arbeit und Kindern irgendwie keine Zeit mehr für ein Hobby. Von 2012 bis 2016 war ich von meinem damaligen Arbeitgeber nach Frankreich entsendet. Das war für uns als Familie eine sehr stressige und herausfordernde Zeit.
Im März 2015 bekam ich eine handgeletterte Karte geschenkt, die mich sehr ermutigt hat. Da hatte sich jemand tatsächlich einen Stift und die Zeit genommen, für mich bedeutsame Worte wunderschön aufzumalen… Das wollte ich auch können und so fing ich an, auf Pinterest schöne Alphabete zu suchen und abzumalen.
Bald stieß ich auch auf das Handlettering mit Brushpens, machte mehrere Kurse und steckte mitten drin in meinem neuen, entspannenden Hobby. Vom Hobby zum Jobby – seit 2016 bin ich freiberufliche „Schriftkünstlerin“ und 2017 konnte ich meinen Onlineshop www.myfancyletters.com eröffnen. Inzwischen darf ich diese schöne Kunst auch in Workshops weitergeben.

Was gefällt dir / fasziniert dich so sehr am kreativen Schreiben?
Zum einen die Vielfalt an Stilen und Materialien – die Ideen gehen einem nie aus, es gibt immer eine neue Buchstabenform, einen neuen Stift oder eine neue Farbkombi zu entdecken. Zum anderen die Zeit und das Herzblut, die in jedes Lettering hineinfließen. Vor allem bei Spezialaufträgen, wenn Leute mir ihre Geschichte anvertrauen und mir zutrauen, diese künstlerisch umzusetzen, bin ich beim Gestalten richtig glücklich und auch ein bisschen ehrfürchtig vor der Kraft der geschriebenen Worte.
Was mich außerdem fasziniert: Dass man auch ohne jahrelange Vorkenntnisse richtig gut werden kann. Man probiert ja im Leben so manches aus an Hobbys und ich war irgendwie in nichts so richtig gut. Handlettering kann jeder lernen und man sieht schon nach ein paar Monaten Üben einen großen Fortschritt.

Woher holst du dir die Ideen zum Lettern?
Viele Ideen bekomme ich beim Ausprobieren, aber natürlich sind Instagram und Pinterest auch Quellen zur Inspiration. Außerdem bilde ich mich regelmäßig weiter. Ich habe viele Kurse von Amanda Arneill gemacht und das Handlettering regelrecht „studiert“, denn es war recht schnell klar, dass es mehr als ein Hobby sein wird. Auch auf Skillshare gibt es viele gute Kurse – nicht nur zum Handlettering selbst, sondern auch z.B. zum Digitalisieren oder dazu, wie ich mein kleines Business erfolgreich aufbauen kann.
Wie gehst du vor bei einem Lettering?
Das kommt ganz darauf an – manchmal spiele ich einfach ein bisschen mit den verschiedenen Stiften, Farben, Pinseln … dann plane ich nicht groß vor und lettere einfach darauf los. Bei Spezialaufträgen oder wenn ich eine Postkarte für den Druck gestalten will, mache ich erst in einem karierten Collegeblock viele kleine Bleistiftskizzen, bis mir das Layout gefällt. Dann übertrage ich das Mini-Layout auf das endgültige Format und feile so lange weiter, bis alles genau passt. Am Ende lege ich diese Bleistiftskizze auf mein LightPad und übertrage es so auf das Original.

Welche „Technik“ bevorzugst du?
Die „Technik“ oder der Stil, bei dem ich immer wieder lande, ist das „Bounce Lettering“, also die tanzenden Buchstaben. Ich mag es total gerne, längere Sätze oder Bibelverse zu lettern und im Layout so zu kombinieren, dass alle Buchstaben und Wörter sich richtig schön „umarmen“. In den letzten Monaten habe ich auch viel gemalt – Aquarell als Bild oder Buchstaben fasziniert mich total.

Mit welchem Material letterst du am liebsten? (Stift, Papier, …)
Bleistift und Papier machen mir am meisten Spaß, aber das kann man natürlich so nicht verkaufen oder verschenken 🙂 Ich lettere am liebsten mit Aquarellfarben und einem Pinsel. Dann noch ein bisschen Gold oder Glitzer dazu – das ist mein Ding. Ist zwar recht zeitintensiv, aber das Ergebnis ist wirklich einzigartig. Außerdem muss man sich Zeit lassen, damit es gut wird – und das hilft mir, zur Ruhe zu kommen und einen Ausgleich zum Alltag zu haben.
Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, damit ein Lettering schön aussieht?
Gleichmäßigkeit – Abstände zwischen den Buchstaben, die Neigung, Zeilenabstände, dass das Bild insgesamt ausgewogen ist. Ich finde, dass es sich lohnt, Zeit in die Komposition zu stecken, einfach weil das Ergebnis dann viel professioneller aussieht.

Welche Tipps & Tricks helfen dir am Meisten?
Als ich mit dem Handlettering angefangen habe, war Geduld zu haben der wichtigste Tipp. Es ist außerdem auch völlig okay, verschiedene Schriftarten, Techniken und Materialien auszuprobieren, bis man seinen eigenen Stil gefunden hat. Jetzt, wo ich schon länger dabei bin, hilft es mir, manchmal etwas zu machen, was ich noch nie ausprobiert habe – zum Beispiel mal mit Feder und Tusche zu schreiben oder rauszufinden, wie das mit dem Embossing funktioniert. Oder ich mache einen Kurs bei Skillshare und lerne dort etwas Neues. Das beflügelt mich dann auch für meine eigenen Ideen und Projekte.
Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Es gibt so viele gute Leute, von denen man lernen kann und ich lasse mir dann manchmal zum Geburtstag oder zu Weihnachten einfach einen guten Kurs schenken, der mich schneller weiterbringt, als monatelang herumzuprobieren.
