Hallo zusammen, ich freu mich sehr mich hier in den Reigen so toller Menschen und Künstler einreihen zu dürfen und werde euch gern etwas aus dem Letterfee – Nähkästchen erzählen.
Ich heiße Anna, bin 39 und wohne mit Lieblingsmann und zwei Lieblingskindern zwischen Bergen und dem See im wunderschönen Vorarlberg. Ich bin ein optischer Mensch, was ich seh hat für mich meist mehr Gewicht wie das Gehörte. Gelernt und lang gearbeitet hab ich in der Augenoptik, der Hang zu Farben und zur Schrift liegt aber weit in meiner Kindheit zurück – noch vor der Schule hab ich einen 36 Farben Faber Castell Stiftekasten bekommen, der lange Jahre mein Ein und Alles war.

Wie bist du zum Lettering gekommen?
Klingt echt nach Streber, aber ich hatte schon in der Schule den Drang über jeglichen Aufsatz – welcher Art auch immer – eine passende und nahezu ebenso aufwendige Überschrift zu setzen, wie der Aufsatz selbst. Von meiner sehr künstlerisch begabten und talentierten Tante hab ich lang vor dem Abitur meine ersten Breit- und Spitzfedern bekommen. Das erste richtig geniale Aquarellpapier bekam ich von meinem Vater aus Florenz mitgebracht, zum Abitur. Auf diesem hab ich tatsächlich mit Pinsel meine ersten Schriften gemacht.
So richtig mit Vollgas dieses Hobby ausgebaut, hab ich vor drei Jahren. Es war wie ein Fluß, der seine Bestimmung findet, es wurde immer mitreißender und zielführender bis ich mich entschlossen habe, mich selbstständig zu machen und ein Gewerbe angemeldet habe. Das ist tatsächlich noch sehr frisch und obermega aufregend für mich. Weil es doch auch heißt, sich für die eigene Kreativität, die bei mir mit sehr viel Herzblut einhergeht, stark zu machen.
Was gefällt dir / fasziniert dich so sehr am kreativen Schreiben?
Die Einfachheit mit Stift und Papier kleine Welten zu erschaffen. Ich liebe das Geräusch des Stiftes oder der Feder auf dem Papier und auch wenn es schon oft gesagt wurde, ich kann dem nur zustimmen, dass das Schreiben eine Meditation sein kann….Der Alltag macht sein Licht aus, Gedankenkaruselle lösen sich wie Nebel unter der Mittagssonne und man ist ganz im Hier und Jetzt.

Woher holst du dir die Ideen zum Lettern?
Das ist sehr unterschiedlich, neben dem Internet und den üblich bekannten wie Instagram und Pinterest fliegen mich ca. 1001 Inspirationen im „echten Leben“ an….Wie zB Bücher, ich liiiiebe Bücher, beim Basteln mit meinen Kindern oder die Natur in ihrem großen Ganzen. Farbverläufe, Farbkombinationen, Bildkompositionen – bei all diesen Dingen ist die Natur für mich unschlagbar und die Inspirationsquelle schier unermesslich – man muss nur mit offenen Augen und offenem Herzen durch die Natur gehen.

Wie gehst du vor bei einem Lettering?
Ich bin ein Vorzeichner, ob Spruch, Wort oder Illustration – ich skizziere meist alles grob vor. Nichts ist mir verhasster, wie wenn das Papier vor dem Wort zu Ende ist und das optische Gleichgewicht aus dem Lot kommt. Drum bin ich auch manchmal länger am Entwurf dran, wie dann tatsächlich an der Reinzeichnung. (Wobei ich hier auch das Lettering als Zeichnen verstehe)
Welche „Technik“ bevorzugst du?
Ich liebe schon sehr das Lettering mit dem Pinsel und Aquarellfarben. Es übt einfach immer noch eine große Faszination aus, wie lebendig die Farben sich vermischen, verteilen….manchmal verflüchtigen, stattdessen an anderer Stelle zum Erblühen kommen. Das hält den Geist/die Idee flexibel, auch in einem Werk Neues zuzulassen und sich selbst noch überraschen lassen zu können.

Mit welchem Material letterst du am liebsten? (Stift, Papier, …)
Ganz klar auf Papier. Die unterschiedliche Beschaffenheit sich zu Nutzen zu machen und die Haptik unmittelbar spüren zu können. Bei den Farben mag ich die Aquarellfarben von Schmincke sehr gern, sie haben eine starke Strahlkraft und wirken aber auch noch hochverdünnt sehr schön. Ich liebe aber auch die flüssigen Farben von ecoline mit ihren wunderschönen Farbtönen.

Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, damit ein Lettering schön aussieht?
Die Harmonie der Buchstaben. Der Stil sollte in einem Lettering rund sein und gut zusammen passen wenn man zB unterschiedliche Schriften verwendet, sollten sie sich ergänzen und keine Brüche darstellen. Ich persönlich liebe Details, auch bei Buchstaben. Das muss nicht immer heißen viel Schnörkel und Schmuck, sondern vielleicht auch bei etwas sehr schlichtem, kleine Details wie Oberkanten und Schwungkurven sauber zu ziehen und Buchstaben schön bis zum gewollten Ende zu zeichnen.

Welche Tipps & Tricks helfen dir am Meisten?
In der Ruhe liegt die Kraft. Das bedeutet für mich sowohl die Geschwindigkeit dem Gefühl anpassen und damit sehr bei sich zu sein und dem was ich gerade zu Papier bekommen möchte. Wie auch sich nach einer Inspiration kurz die Zeit zu nehmen – was macht das mit mir, wie versteh ich das Thema? Um dann mit der eigenen Intuition und „Handfertigkeit“ zusammen etwas entstehen lassen zu können.
