Am liebsten würde ich Dich in diesem Moment einladen, einen Tag mit mir in meinem kreativen Büro in Norddeutschland zu verbringen, denn schon wenige Stunden gemeinsam an einem Tisch, ermöglichen einen Zugang, der leider nur schwer über das Internet vermittelbar ist. Mein Name ist Jeannette Mokosch und ich beschäftige mich hauptberuflich mit der Modernen Kalligrafie, dem Hand Lettering und sinnlichem Design.
Beschrieben werde ich als ein Mensch, der stets hoffnungsvoll ist und positiv denkt. Mir ist es wichtig, Werte wie ein fester Glauben und Grundfesten, die der Antrieb für mein Schaffen sind, offen zu kommunizieren und zu vermitteln. Mutmachende, ästhetische Worte liegen mir sehr am Herzen. So sehr, dass ich damit begann, Gedichte zu schreiben. Einfache, verständliche Zeilen, die mir zu allen möglichen Momenten in den Sinn kommen. Der Anspruch an mich selbst ist hoch, da ich möchte, dass Worte in einer schönen Weise präsentiert werden.
Auf diesem Wege kam ich 2013 zur Kalligrafie, bildete mich als Autodidakt in den Bereichen Grafikdesign und Lettering kontinuierlich fort und darf heute dankbar auf zahlreiche Veröffentlichungen, Kooperationen, Logoentwürfe und Kurse im In- und Ausland zurückblicken. Als ich nach dem Abitur den Beruf der Altenpflegerin erlernt habe, was eine reine Herzensentscheidung war, hätte ich mir nie erträumen lassen, wohin mich mein Weg führen würde. Jede Station in meinem Lebens hat mich viel gelehrt und sicherlich bin ich durch die Arbeit mit alten und kranken Menschen, die begleitet wird von der Frage „Was ist der Mensch am Ende seines Lebens? Was hält uns im Kern zusammen?“, mehr geprägt worden als gedacht.

Wie bist du zum Lettering gekommen?
Tatsächlich hat alles mit dem Schreiben von einfachen, aber mutmachenden Texten und Gedichten begonnen. Immer, wenn ich etwas in mir verarbeiten wollte, griff ich zu einem meiner 1000 Notizbücher (Wer liebt Notizbücher auch so sehr wie ich??) und schrieb die Gedanken nieder. Als ich im Jahr 2013 meinen kleinen Shop bei DaWanda eröffnete, merkte ich, dass es gar nicht so einfach ist, persönliche Texte sinnlich und würdevoll am PC darzustellen.
Ich lag also nachts wach und hatte plötzlich diese Eingebung, mit der Feder schreiben zu müssen. Dass das alles gar nicht so einfach ist, wie gedacht, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst und im Internet gab es damals lang nicht so viele Artikel über das Thema Moderne Kalligraphie wie heute, denn der Trend „Hand Lettering & Kalligrafie“ ist erst im Jahr 2015 so richtig groß geworden in Deutschland. Es lag also ein weiter Weg vor mir.
Was gefällt dir / fasziniert dich so sehr am kreativen Schreiben?
Mich faszinieren die unterschiedlichen Ebenen der Kommunikation im Bereich Typographie. Natürlich gibt es die inhaltliche Ebene, die ein Text vermitteln will, aber aus eigener Erfahrung im Umgang mit Gedichten weiß ich, dass dieser Inhalt nicht oder nur wenig wahrgenommen wird, wenn die Präsentation des Textes nicht auch liebevoll und sorgfältig auf die Botschaft abgestimmt ist.
Ich benötige viel Kreativität und Weisheit, um den Inhalt mithilfe des Letterings maximal zu unterstreichen. Wenn mir das gelingt, dann kommuniziert mein Schriftzug auf vielfältige Weise.

Woher holst du dir die Ideen zum Lettern?
Meine Inspiration kommt hauptsächlich aus dem aufmerksamen Konsumieren von Schriften. Selbst der Lebensmitteleinkauf kann zu einem Typographie-Abenteuer werden, denn Schriften begegnen mir immer und überall. Wenn ich gezielt für ein neues Logodesign recherchieren muss, dann wähle ich meist Pinterest als Moodboard und Inspirationsquelle. Meine zahlreichen und liebevoll sortierte Pinnwände enthalten inzwischen auch viele tolle Ideen für neue Letterings.

Wie gehst du vor bei einem Lettering?
Das Hand Lettering ist für mich ein Finden von Lösungen für ein gewissen ‚Problem‘. Wenn ein Kunde z.B. ein bestimmtes Design in Auftrag gegeben hat, wie z.B. ein Monogramm für die Hochzeit oder ein Hochzeitslogo, dann löse ich das ‚Problem‘ 2-3 Buchstaben harmonisch miteinander zu verbinden. Dieser Prozess beginnt immer auf dem Papier, denn hier habe ich die Möglichkeit schnell Skizzen anfertigen zu können, die am Bildschirm nur schwer möglich sind. Nach der Skizze folgt die Reinschrift und dann die aufwendige Digitalisierung der Schrift in Photoshop und Illustrator.
Welche „Technik“ bevorzugst du?
Am Liebsten kalligraphiere ich klassisch mit der Spitzfeder, denn der Einsatz mit echter Tusche sieht wesentlich hochwertiger aus, als Faserschreiber oder künstlich erzeugte Digitalschriften. Zudem liebe ich den ‚Look‘, die eine Feder erzeugt. Es sind kleine unperfekte Haarlinien erkennbar und diese erzeugen einen Charme, der in unseren überperfekten Bildsprache wieder etwas Menschlichkeit zeigt.

Mit welchem Material letterst du am liebsten? (Stift, Papier, …)
Meine absolute Lieblingsfeder ist die Zeichenfeder von Brause N° EF 66. Die Bezeichnung „EF“ steht für ExtraFein. Diese ist auch in meinem Kalligraphie-StarterSet erhältlich, welches nach zahlreichen Anfragen endlich in meinen Shop erhältlich ist.

Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, damit ein Lettering schön aussieht?
Harmonie geht über alles. Ein Lettering kann verrückt sein, ausgefallen, verspielt oder modern. Aber wenn die einzelnen Elemente nicht harmonisch miteinander verbunden sind, dann nimmt das Auge dies als ‚unschön‘ wahr. Natürlich ist Kunst eine Interpretationssache, aber typographische Grundlagen der Schriftgestaltung sind ein wichtiger Bestandteil, um im Betrachter ein langanhaltendes Wohlgefühl zu bewirken.
Welche Tipps & Tricks helfen dir am Meisten?
Viele Kunden wünsche sich moderne und leichte, schwungvolle Designs. Auch wenn diese Designs immer so aussehen, als gäbe es keine Regeln, ist die Basis des Letterings immer eine gedachte oder vorgezeichnete Grundlinie und ein skizziertes Layout. Investiere in diese Vorarbeit, das ist mein größter Tipp.
