Hallo, ich heiße Angi und wohne mit 3 Kindern, Herzmann und Katzendame in der Nähe von München.

Wie bist du zum Lettering gekommen?
Alles, was man mit seinen Händen erschaffen kann, hat mir schon immer Spaß gemacht. Ich liebe es schöne Dinge entstehen zu lassen, mit denen man sich und anderen eine Freude machen kann. Leider hatte ich in den vergangenen Jahren wegen Job und Kinder wenig Zeit dafür.
Als ich im letzten Jahr aus gesundheitlichen Gründen mehrere Monate nicht Laufen konnte, habe ich das große, weite Internet für mich entdeckt. Dort bin ich dann eines Tages den Lettering-Periscopes von Frau Hoelle begegnet und war gleich vom BuchstabenVirus befallen.

Was gefällt dir / fasziniert dich so sehr am kreativen Schreiben?
Gerade die deutsche Sprache hat unheimlich schöne Wörter, denen man mit einem besonderen Schriftbild noch mehr Ausdruck verleihen kann. Was gibt es Schöneres! Dazu mag ich es besonders das Geschriebene mit kleinen Bildern oder passenden Hintergründen in Szene zu setzen. Beim Schreiben und Malen versinke ich in eine andere Welt und schalte ab von Alltag und Stress.

Woher holst du dir die Ideen zum Lettern?
Ich bin ein visueller Mensch und gehe mit offenen Augen durch die Welt. Schöne Schriften gibt es in jeder Zeitschrift, an Hauswänden und sogar in der Tageszeitung. Auch Instagram bietet ein Fülle an Ideen, Hilfe und netten Kontakten. Um täglich zu Üben suche ich mir jeden Monat eine Challenge auf Instagram (#letteringchallenges). Meist dauert es nur ein paar Minuten und ich habe das fertige Lettering vor Augen.

Wie gehst du vor bei einem Lettering?
Zunächst sage ich mir den Begriff ein paar mal in Gedanken vor. Ich finde so bekommt man ein gutes Gefühl für die Wörter und im Geiste blitzen Begriffe auf, die damit zu tun haben. Meist kommt mir dabei schon eine Idee, wie ich das Lettering umsetzten kann. Z.B. bei „Nordseeküste“: Wasser, Leuchtturm, Möwen.
Ich mache grundsätzlich zuerst den Hintergrund, bzw. das Bild und lettere am Schluss dazu. Das Wort oder den Text schreibe ich dünn mit Bleistift vor. Das sind sozusagen meine Hilfslinien an denen ich mich beim Lettern orientieren kann. Ich finde das ganz ok und stehe auch dazu. Nichts ist ärgerlicher als am Ende alles nochmal machen zu müssen. Zum Schluss aber unbedingt die Bleistiftspuren wegradieren.
Welche „Technik“ bevorzugst du?
Ich liebe meine Brushpens, mit ihnen kann man wunderbar lettern. Da sie wie Aquarellfarben mit Wasser vermalbar sind, schlägt man mit ihnen gleich 2 Fliegen mit einer Klappe. Es reizt mich aber auch immer wieder neue Materialien zu testen. So kann man auch mit ganz ungewöhnlichen Dingen wie einem Kosmetikschwamm lettern. Das ergibt erstaunliche Farbverläufe und einen leichten 3DEffekt.

Mit welchem Material letterst du am liebsten? (Stift, Papier, …)
An erster Stelle stehen die Tombow ABT Dual Brush Pens, die Farbpalette ist enorm und sie sind, wie gesagt, auch vermalbar mit Wasser. Für Konturen und Akzente eignen sich die PIGMA MICRON prima. Es gibt sie in verschiedenen Strichstärken einen feinen und einen mittleren sollte man unbedingt haben. Wenn man schon etwas Übung hat, lohnt sich die Anschaffung der Sign Pen Brushs von Pentel. Sie sind feiner und ergeben ein graziles Schriftbild.
Da ich fast ausschließlich Postkartengröße lettere und viel mit Wasser male, verwende ich hierfür glatte, weiße Postkarten-Aquarellblöcke von Hahnenmühle oder Canson, die auf der Rückseite schon den Postkartenvordruck haben. Für „trockene“ Letterings nehme ich das Kopierpapier von Clairefontaine 100g bzw. 160g, das ich mir je nach Bedarf auch zuschneide.
Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, damit ein Lettering schön aussieht?
Leichtigkeit und Gleichmäßigkeit – an beidem muss ich auch noch arbeiten. Und ich finde es schön, wenn das Geschriebene noch durch „Beiwerk“, das den Begriff unterstützt, in Szene gesetzt wird. Das kann ein Bildchen sein, eine Karikatur, ein schöner Hintergrund oder auch ein Rahmen.

Welche Tipps & Tricks helfen dir am Meisten?
Genau hinschauen wie andere es machen und mit offenen Augen durch die Welt gehen. Gutes Arbeitsmaterial (lieber weniger aber qualitativ gut). Wichtig ist mir auch der Kontakt mit der Lettering-Gemeinschaft auf Instagram. Dort bekommt man viele tolle Ideen und positives Feedback. Das spornt enorm an und bringt gute Laune.
Und natürlich, wie bei jeder Kunst: üben, üben, üben….
