Ich bin Sandra, 39 Jahre alt, aus Trier und arbeite als Drucktechnikerin in einer Druckerei. Mein Papiervorrat geht also nie zu Ende 😉
Die frühere Berufsbezeichnung meines Berufs war „Schriftsetzer“, mir wurde das Lettering also quasi in die Wiege gelegt. Nur wusste ich bis zum letzten Sommer nix davon …

Wie bist du zum Lettering gekommen?
Ich liebe Typografie, Schriften, Layout, Papier, schönes Design – das ist echt meins.
Im letzten Sommer habe ich mich bei Instagram angemeldet und das erste, was mir angezeigt wurde, war @miss_konfetti mit ihrer Lettering-Challenge. Das hat mich sehr begeistert und ich das wollte ich auch können. Damals habe ich mir die Texte am Computer vorgeschrieben, ausgedruckt und nachgezeichnet. Zwei Monate lang, Tag für Tag 🙂
Fand ich aber irgendwann blöd und so habe ich nach Anleitungen zum „richtigen“ Lettern gesucht. Da ich @frauhoelle schon vom „sketchnoting“ kannte und sie zu diesem Zeitpunkt auch mit dem Lettering-Zeigen bei Instagram anfing, kam eins zum anderen.

Was gefällt dir / fasziniert dich so sehr am kreativen Schreiben?
Ich finde es noch immer faszinierend, mit welchen Techniken und Stilen man ein und dasselbe Wort umsetzen kann. Und es entspannt mich total. Ich versuche, mir jeden Abend eine Stunde zum Lettern freizuhalten. Mittlerweile werde ich schon ganz hibbelig, wenn ich mal keine Zeit dazu habe. Man sagt mir schon nach, ich sei süchtig 😉 Nein, oder?
Und mir gefällt, dass man alles „belettern“ kann, was sich nicht wehrt 🙂 Tassen, Vorratsdosen, Briefumschläge (sogar der Postbote war ganz fasziniert und meinte „endlich mal eine Abwechslung“ …), ich habe „Caketopper“ kennengelernt (seitdem gibt bei mir keinen selbstgebackenen Kuchen mehr ohne), man braucht nie wieder Geburtstagskarten zu kaufen usw.

Woher holst du dir die Ideen zum Lettern?
Ganz viel Inspiration hole ich mir bei Pinterest, in der letterattack-Gruppe bei Facebook und natürlich bei all den Lettering-Verrückten auf Instagram. Das ist mittlerweile eine richtig tolle Gemeinschaft dort geworden! Danke Mädels :-*
Was mir gefällt, wird gepinnt und irgendwann, wenn mir gar nichts von selbst einfallen will, wieder rausgekramt.
Aber ich habe auch gemerkt, dass das „sich mit anderen vergleichen“ oft zu Selbstzweifeln führt. Deswegen sollte man auf seine eigenen Fähigkeiten, seinen Stil, seine „Handschrift“ vertrauen. Und sich nicht unter Druck setzen lassen. Ist ja letztendlich „nur“ ein Hobby und soll Spaß machen 😉
Und ich laufe mit offenen Augen durch die Stadt. Mir fallen seit Beginn der Lettering-Sucht immer mehr Schilder und Verpackungen auf – Letterings gibt es echt überall.

Wie gehst du vor bei einem Lettering?
Ich mache mir vorab nicht viele Gedanken. Die Idee kommt, wenn das leere Blatt vor mir liegt. Bis diese Idee dann aber auf dem Papier so aussieht, wie ich es mir im Kopf vorstelle, geht schon mal das ein oder andere Blatt Papier drauf.
Text vorschreiben tue ich nur, wenn ich einen Hintergrund gemacht habe, der nicht „versaut“ werden soll oder bei Sachen, die ich verschenken möchte.
Welche „Technik“ bevorzugst du?
Ich mag am allerliebsten die „Faux Calligraphy“. Ich weiß, das ist kein „echtes Lettering“ und vielleicht bei den Vollprofis verpönt, aber damit komme ich (nach hunderttausend Versuchen mit den Pinselstiften) am besten klar.
Was ich auch sehr gerne mache, ist Letterings mit Fotos zu kombinieren. Eine Anleitung dazu gibt es weiter unten.

Mit welchem Material letterst du am liebsten? (Stift, Papier, …)
Zu Anfang dachte ich, alles kaufen zu müssen, was Stiftform hat. Ein Fehler 😉
Mittlerweile schreibe ich fast nur noch und am liebsten mit den Pigma Microns. Den „Pentel touch“ mag ich auch ganz gerne, der hat eine kleine, feste Pinselspitze und ist auch relativ easy im Handling.
Zum Papier: ich benutze überwiegend „ColorCopy“-Papier, es ist superglatt, richtig weiß und Bleistiftspuren lassen sich ohne zu verschmieren wegradieren und es gibt es in verschiedenen Grammaturen, z. B. auch für Klappkarten.
Kraftpapier oder schwarzen Karton in Kombination mit weißer Schrift (Uniball Signo) mag ich aber gerade auch sehr gern.

Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, damit ein Lettering schön aussieht?
Wie Frau Hoelle schon sagte, Gleichmäßigkeit nimmt das Auge wohl als harmonisch war. Das mag ein Punkt sein. Aber bekanntlich sieht ja jeder Schönheit anders.
Was ich wichtig finde, gerade wenn ein Lettering im Internet präsentiert werden soll: das Foto sollte eine gute Qualität haben (im Sinne von Aufhellen, Schärfe usw.) Wenn die stimmt und nicht einfach drauf los geknipst wurde, macht das schon sehr viel aus, da kann das Lettering auch mal nicht perfekt sein 😉

Welche Tipps & Tricks helfen dir am Meisten?
Stifte mit denen man sich wohlfühlt, machen sooo viel aus. Mit den allseits beliebten Tombow Dual Brush Pens komme ich z. B. nicht wirklich klar. Wobei es von denen so tolle Farben gibt. Aber es nützt ja nix, wenn man am Ende alles frustriert in die Ecke feuert, nur weil der Stift nicht für einen geschaffen ist. Also als Tipp und aus Erfahrung: sucht euch den für euch perfekten Stift und die richtige Technik und legt los. Dann macht es auch Spaß 🙂

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