Ich bin Elli, 26 Jahre alt, seit 7 Jahren Exil-Pfälzerin im Schwabenländle – aktuell wohne ich in Stuttgart. „Von Haus aus“ bin ich Historikerin, arbeite aber zurzeit als Studienberaterin für ausländische Studierende.

Wie bist du zum Lettering gekommen?
Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr ganz genau erinnern, wie alles begann. Maßgeblich beteiligt war aber der Instagram-Algorithmus 🙂 Er hat mir irgendwann im November 2015 ein Bild von Frau Hölle auf der Entdeckerseite vorgeschlagen. Ruckzuck waren die ersten Tombows bestellt. Aber so richtig geklickt hatte es damals noch nicht. Irgendwie war ich oft frustriert, wenn ich die tollen Accounts sah und dachte, ich würde es sowieso nie so schön hinbekommen.
Erst im Mai 2016 habe ich einen Monat lang bei einer Challenge mitgemacht und einen extra Letteringaccount angelegt – da hat mich dann das Fieber gepackt. Seitdem ist kaum ein Tag ohne das Lettern vergangen. Nie hätte ich gedacht, dass es mich so glücklich machen würde und dass ich schon gar nicht mehr weiß, wie meine Tage ohne dieses wunderbare Hobby aussahen.

Was gefällt dir / fasziniert dich so sehr am kreativen Schreiben?
Für mich ist Handlettering unglaublich entspannend. Außerdem macht es riesigen Spaß, Dinge zu gestalten und mit Schrift zu experimentieren. Das Tollste ist für mich aber, dass ich jeden Tag sehe, wie ich durch Übung besser werde. Wenn ich ein altes Lettering sehe und denke: „Das könnte ich heute viel besser“ – ein unbezahlbares Gefühl!

Woher holst du dir die Ideen zum Lettern?
Fast alle Ideen hole ich mir über Instagram, aber auch auf Pinterest finde ich viel Inspiration (besonders Anleitungen zum Zeichnen von Blumen, Blättern etc.). Wenn mir etwas besonders gefällt, mache ich einen Screenshot und schaue das Album durch, wenn ich auf der Suche nach einem neuen Stil bin.
Wie gehst du vor bei einem Lettering?
Ich zeichne fast jedes Lettering vor, damit ich ein Gefühl für die Schriftarten und -größen bekomme und um mir klarzumachen, welche Stellen ich betonen möchte. Teilweise mache ich nur eine kleine Skizze auf Schmierpapier, teilweise aber auch eine richtige Vorzeichnung, die ich dann mehrfach auf Transparentpapier übertrage, wobei ich bei jedem Durchgang kleinere Details verbessere.

Welche „Technik“ bevorzugst du?
Eigentlich habe ich gar keine „Lieblingstechnik“. Neben den „klassischen“ Brushpens mag ich das Lettern mit normalen Pinseln und flüssiger Wasserfarbe. Im Moment bin ich außerdem total im Blending-Fieber, am liebsten mit den Tombows. Was mir auch sehr gefällt, ist das Schreiben mit der Spitzfeder – aber das fällt mir noch ziemlich schwer, da muss ich noch viel üben!
Mit welchem Material letterst du am liebsten? (Stift, Papier, …)
Besonders gern lettere ich mit den Tombow Fudenosuke hard oder den Pentel sign pen touch (wenns mal farbig sein soll), die gehen einfach immer. Für größere Letterings mag ich die Lyra Aqua Brush duo fast noch lieber als Tombows, obwohl es da viel weniger Farbnuancen gibt.
Für das Lettern mit dem Pinsel benutze ich meistens normale runde Pinsel (Größe 0-2) und flüssige Wasserfarbe von Ecoline oder die Aquarellfarben von Kuretake. Für Letterings mit Wasserfarbe verwende ich das mixed media Papier von Canson, ansonsten eigentlich immer glattes bzw. satiniertes Papier für Laserdrucker oder das etwas dickere Bristol-Papier.

Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, damit ein Lettering schön aussieht?
Am Wichtigsten finde ich, dass das Gesamtbild harmonisch und stimmig wirkt. Ein gutes Lettering sollte deshalb nicht zu viele verschiedene Stile, Schriftgrößen und Farben verwenden. Außerdem sollten die Buchstaben-Achsen nicht in verschieden Richtungen wegkippen, sondern parallel bleiben. Dazu achte ich darauf, die Buchstaben nicht allzu verschieden groß zu schreiben und größere Leerräume zwischen Wörtern oder Zeilen zu vermeiden, indem ich die Buchstaben etwas mehr ineinander schiebe.

Welche Tipps & Tricks helfen dir am Meisten?
1. Eine Skizze zu machen hilft eigentlich immer, damit kann man noch schönere Letterings erreichen.
2. Kontraste (z.B. verschiedene Schriftstile, -größen, Farben etc.) machen ein Lettering interessant – allerdings achte ich darauf, nicht zu viele gleichzeitig einzusetzen.
3. Manchmal kommt ein Lettering einfach nicht richtig raus, egal wie oft man es versucht. Dann ist es am Besten, es ein paar Tage zur Seite zu legen und es dann noch einmal mit frischem Blick anzugehen.
