Tutorial: Lettering vektorisieren mit Inkskape

Letterings zu erstellen macht grossen Spass. Da kann man einzigartige Karten, Logos und Schriftzüge erstellen, die individuell und persönlich sind. Die meisten Letterings gibt es nur einmal, aber gewisse Letterings hätte man gerne auch digital. Wie ihr eure Letterings digitalisiert, hat die liebe Sandra (@frau_mesas) schon von einer Weile mal erklärt hier in der Herz-Kiste. Und nun folgt die Weiterführung vom Digitalisieren – das Vektorisieren.

Das Vektorisieren werdet ihr wahrscheinlich nicht ganz so häufig brauchen wie das Digitalisieren – und trotzdem ist es in gewissen Situationen sehr hilfreich. Deshalb findet ihr in diesem Blogartikel eine detaillierte Anleitung, wie ihr eure Letterings mit Hilfe der gratis Softwarte Inkscape vektorisieren könnt. An dieser Stelle ein herzliches Danke liebe Sandra für deine immer wieder tollen Erklärungen, sobald es um Lettering und Digitales geht!

Übrigens: Seit kurzem hat die liebe Sandra auch eine eigene Website: frau-mesas.de. Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle! =)

Lettering vektorisieren mit der gratis Software Inkskape und dieser Schritt für Schritt Anleitung

Warum und wo brauche ich Vektorgrafiken?

Wie vektorisiert man Hand-Letterings ohne Photoshop, Illustrator und Scanner? Und wozu brauche ich eine Vektordatei? Was ist der Unterschied zu Pixeldaten?

Eine Pixelgrafik besteht aus einzelnen Bildpunkten, die in einem Rasterangeordnet sind und denen jeweils ein Farbwert zugeordnet ist. Diese Grafikart definiert sich daher durch ihre Abmessung aus Höhe und Breite in Pixeln, die auch Bildauflösung genannt wird, sowie durch den Umfang der darstellbaren Farben, den man auch als Farbtiefe bezeichnet.

Pixelgrafiken eigenen sich daher hervorragend zur Darstellung von Fotos und komplexen Farbverläufen. Ein großer Nachteil besteht jedoch in der starken Verschlechterung der Bildqualität sobald man diese Grafiken vergrößert, da durch die Rasterung ein sogenannter Treppeneffekt entsteht, welcher die Bilder dann pixelig oder unscharf wirken lässt. Zudem wird bei Bildformaten, wie zum Beispiel den JPG-Dateien, eine verlustbehaftete Bildkompression eingesetzt, welche die Qualität weiter mindern kann.

Unterschied Vektor und Pixel

Vektorgrafiken sind seltener, da sie im Amateur-Bereich nicht so oft benötigt werden. Sie bestehen nicht aus einzelnen kleinen Bildpunkten sondern sind aus geometrisch definierten Grundelementen zusammengesetzt und daher eher als mathematische Formelsammlung zu verstehen statt als Bildraster.

Daher eigenen sich Vektorgrafiken besonders zur Darstellung von geometrischen Designs und Schriften. Zudem benötigen sie oft bedeutend weniger Speicherplatz als Pixelgrafiken und lassen sich verlustfrei vergrößern oder verkleinern, weshalb sie in der Druckindustrie, für die Ausgabe auf Schneidplottern, Fräsen, Laserschneidern etc. einen hohen Stellenwert besitzen.

Wenn ihr also euer Lettering zu einem Stempel, als konturgeschnittenen Aufkleber, Schaufensterbeschriftung, in Metall gefräst oder als 3d-Druck haben möchtet, kommt ihr ums vektorisieren nicht herum.

Seid ihr bereit?

Hier habe ich euch schon einmal einen der vielen Wege gezeigt, wie ihr euer analoges Lettering digitalisieren könnt. Meistens wird dazu aber Illustrator, Photoshop oder ein Scanner vorausgesetzt. Aber was tun, wenn ihr das alles nicht habt?

Das ist gar nicht so kompliziert! Alles, was ihr braucht, ist ein Computer, Handy, euer analoges Lettering (am Besten in schwarz-weiß, ohne Effekte)* und Inkscape.

Inkscape ist ein professionelles Programm zum Erstellen und Bearbeiten von Vektorgrafiken für Windows, Mac OS X und Linux. Es ist freie und quelloffene Software. Hier könnt ihr es gratis runterladen: inkscape.org. Falls ihr einen Mac besitzt, müsst ihr auch noch XQuartz runterladen.

Aber vorher noch ein Hinweis am Rande: man kann nicht von vorneherein ein hundertprozentiges Endergebnis erwarten. Kein automatisiertes Vektorisierungsprogramm ist dazu in der Lage. Es erstellt einen Satz an Kurven, den ihr als Ausgangsmaterial für die Weiterverarbeitung eures Letterings nutzen könnt.

Habt ihr das getan und erfolgreich installiert, könnt ihr loslegen 🙂

Schritt für Schritt Anleitung zum Vektorisieren

1. Fotografiert das Lettering

gerade von oben (nicht verzerrt, von schräg vorne usw), am besten bei Tageslicht, ohne Schatten und Lichtreflexe. Bitte beachtet, dass die Qualität des Fotos so gut wie möglich sein sollte. Nachbearbeitet werden muss es dann zwar immer noch, aber es ist weniger kompliziert, wenn die Basis schon einigermaßen ok ist.

enjoy it - Handlettering in Schwarz

2. Bearbeitet das Foto

mit einer Bildbearbeitungs-App (eine Anleitung findet ihr hier).

* Solltet ihr euer digitales (mit ApplePencil auf iPad, oder Surface …) Lettering vektorisieren wollen, geht es ab Schritt 3 weiter. Ausgangsdatei hierfür ist aber kein Foto, sondern beispielsweise ein .jpg, .psd, .pdf aus Procreate oder ähnlichen Apps.

3. Übertragt das Bild auf den Computer und importiert es über

– „Datei -> Importieren“, evtl. skalieren und auf der Zeichenfläche platzieren.

enjoy it - Lettering in Inkskape importieren um es zu vektorisieren

– markiert das Bild und wählt Pfad > Bitmap nachzeichnen

– es öffnet sich ein neues Fenster. Wählt hier die „Live-Vorschau“ aus, dann habt ihr die Ergebnisse besser im Blick und achtet darauf, dass „Hintergrund entfernen“ angewählt ist. Außerdem gibt es in diesem Fenster verschiedene Modi zur Auswahl: ich habe die besten Erfahrungen mit dem „Helligkeit ausschalten“-Modus gemacht. Und diesen verwenden wir auch hier im Beispiel.

– Spielt solange mit dem „Schwellwert“ vom „Helligkeit ausschalten“-Modus, bis das Ergebnis aussieht, wie ihr das möchtet.

– Klickt „OK“

Lettering vektorisieren - Einstellungen in Inkskape

– das nachgezeichnete Lettering liegt nun über dem Original-Bild. Verschiebt es, um das vektorisierte Ergebnis sehen zu können.

– wählt nun das nachgezeichnete Lettering aus und geht zu Pfad > Zerlegen. Ihr werdet sehen, alle „Durchblicke“ sind nun schwarz gefüllt.

Lettering vektorisieren in Inkskape

– löscht alle evtl. übriggeblieben Elemente außerhalb, die nicht benötigt werden.

– anschließend müsst ihr die „schwarzen Durchblicke“ vom Lettering abziehen. Um das zu tun, wählt das Lettering mit einem Klick darauf aus, haltet die Shift-Taste gedrückt und wählt so zusätzlich den Durchblick aus.

Lettering Vektorisieren - Zwischenräume entfernen

– jetzt im Menü Pfad > Differenz wählen

– so oft wiederholen, bis alle Durchblicke „weiß“ sind.

Lettering in Inkskape importieren um zu vektorisieren

– nun könnt ihr das „original Bild“ von der Arbeitsfläche löschen, es wird nicht mehr benötigt.

– um das vektorisierte Ergebnis als Pfad anzuschauen und evtl. nicht so schöne Stellen mit dem Pfadwerkzeug manuell anpassen zu können, stellt im Menü Ansicht/Anzeigemodus auf „Umriss“. Das schaut dann so aus:

Lettering vektorisieren - Rand

– Mit dem Pfadwerkzeug (im nachfolgenden Bild pink umrandet) können durch Anklicken und Auswahl der Pfadpunkte und deren „Anfasser“ nachträglich noch unschöne „Zacken“, Rundungen etc. manuell angepasst werden.

Ansicht Vektorisiertes Lettering

– Das vektorisierte Lettering kann nun beispielsweise als „.svg“ (Scalabe Vector Graphic) gespeichert werden, das ist der Standard in Inkscape. Es kann aber auch als .png exportiert werden, hier könnt ihr Höhe und Breite einstellen, wie ihr sie benötigt. Es wird automatisch auf die gewünschte Größe angepasst und hat einen transparenten Hintergrund.

Welches Dateiformat schlussendlich benötigt wird, hängt immer vom Verwendungszweck ab. Der Dienstleister macht aber in der Regel genaue Angaben, was er braucht. Fragt oder lest einfach nach, meistens sind die Datei- Anforderungen irgendwo angegeben.

Das wars auch schon! Die Textmenge lässt schlimmeres vermuten, es klingt vielleicht auch etwas kompliziert, ist es aber gar nicht. Versprochen! Bei Fragen schreibt mir gerne: IG @frau_mesas oder in der Läddergäng-FB-Gruppe.

Anfangs war ich sehr skeptisch, ob das Vektorisieren mit einer Gratis-Software auch so gut funktioniert wie beispielsweise in Illustrator. Aber was soll ich sagen: es funktioniert sogar sehr gut! Nicht beim ersten Mal, aber mit ein bisschen Geduld und Übung ist es eine super Alternative zu der teuren Software.

Vielen lieben Dank Sandra für diese geniale Anleitung, wie man ein Lettering vektorisieren kann. Am Anfang hatte ich Angst, dass das ziemlich kompliziert ist – aber wenn ihr Schritt für Schritt nach dieser Anleitung geht, werdet ihr es bestimmt schaffen, euer Lettering zu vektorisieren! Genial ist halt auch, dass Inkscape eine gratis Software ist. Gerade wenn man nicht so häufig ein Lettering vektorisieren muss/möchte, ist das eine super Option und ich war vom Ergebnis ziemlich begeistert 😉

Viel Spass beim Ausprobieren ihr Lieben!

Porträt Foto

Hey, ich bin Debby!

Ich helfe dir dabei, dein Leben kreativ zu gestalten und zeige dir, wie du ganz einfach selber kreativ werden kannst! Ich bringe dir bei, wie du geniale Letterings gestaltest und dabei nicht nur grossartige Karten ab sofort selber machst, sondern auch viele einzigartige Geschenke.

Lass uns vernetzen:

Happy Mail aus der Herz-Kiste

Nimm mich mit auf Pinterest:

Eine einfache Schritt-für-Schritt Anleitung, wie du ganz einfach dein Lettering vektorisieren kannst dank der gratis Software Inkscape! So stehen dir alle Möglichkeiten mit deinem Handlettering offen! Ob Stempel, 3D-Druck, Logos oder sonstige Verwendungen

 

 

Bleibe auf dem Laufenden und folge der Herz-Kiste auf Social Media: