Mein Name ist Natascha aka Tintenfuchs, ich bin 32 und wohne mit meinem Verlobten, zwei Katzen und zwei Stiefkindern in Wien. Ich bin die erste Österreicherin, die das Gewerbe „Kalligrafie“ angemeldet hat und ich gehe meinem Traum nach, den ganzen Tag lang zu schreiben und oft auch noch dafür bezahlt zu werden. Ich bin leidenschaftliche Brettspielerin, Comicleserin und all-around Nerd.

Wie bist du zum Lettering gekommen?
Schrift hat mich schon immer interessiert – erst in Form von Büchern, dann Typographie, dann Lettering und Kalligrafie. Ich habe Informationsdesign studiert und im darauffolgenden Jobben als Grafikerin festgestellt, dass ich mich lieber auf Details konzentriere als auf das große Ganze. Wie, ich soll ein Magazin layouten und nicht nur an der ersten Überschrift basteln?!
Dann habe ich versucht mit Script-Fonts „Kunstwerke“ zu gestalten, aber diese konnten nie genau das, was ich gerne von ihnen wollte. Und so habe ich beschlossen, mir das Schreiben in diese Richtung eben selbst anzueignen. Und als ich dann in meinem ersten Kalligrafie-Kurs mit der Spitzfeder saß war mir klar: Das muss ich machen, am besten jeden Tag und andauernd. Danke, Barbara Calzolari!!
Was gefällt dir / fasziniert dich so sehr am kreativen Schreiben?
Dass es immer etwas zum Lernen gibt, ob Technik oder Schriftstil. Es gibt immer Luft nach oben und das spornt mich an. Ich will noch so viel Ausprobieren! Ständig sehe ich neue, tolle Dinge oder möchte Ideen verwirklichen. Es gibt eine endlose Fülle an spannenden Möglichkeiten und das liebe ich. Und dabei ist es „nur“ Schrift!
Was ich auch unendlich faszinierend finde ist, wenn 20 Leute den gleichen Schriftstil schreiben und es bei jeder Person anders aussieht. Die Persönlichkeit, die in die Buchstaben fließt ist so präsent – wenn ich meinen Instagram-Feed durchscrolle erkenne ich auf den ersten Blick, von wem die Werke sind.

Woher holst du dir die Ideen zum Lettern?
Manchmal sehe ich ein Kunstwerk (egal, ob ein schöner Satz in einem Buch, eine Zeichnung, Malerei, einen Comic, Foto oder Lettering) und denke mir: Da muss ich jetzt die Stifte auspacken, da habe ich eine Idee. Manchmal, wenn ich ein bestimmtes Wort höre, dann sehe ich in meinem Kopf, wie das am Papier aussehen muss. 🙂
Oft wünschen sich auch die Kunden etwas und in diesem vorgegebenen Rahmen fällt es mir leichter, kreativ zu sein. Wenn zum Beispiel eine Farbpalette vorgegeben ist, dann tauchen schon dazu passende Buchstaben und Schnörkel in meinem Kopf auf.

Wie gehst du vor bei einem Lettering?
Früher habe ich einfach drauf los geschrieben, inzwischen bin ich geduldiger geworden. Meistens überlege ich mir, wie ich die Wörter aufteile und zeichne mit Bleistift grobe Grundlinien für die Zeilen vor. Dann kritzle ich die Buchstaben drauf und in den meisten Fällen zeichne ich neben der zweiten Zeile einen Pfeil nach links. Warum? Weil ich aus unerfindlichen Gründen die zweite Zeile immer zu weit rechts schreibe. Dann weiß ich, dass ich beim Nachziehen dann weiter links anfangen muss. Sollen Verzierungen dazu kommen, skizziere ich diese auch vor. Dann schreibe ich mit der Tinte – ich pause nie genau ab, aber nehme Anfangs- und Endpunkt der Zeilen als Anhaltspunkt.
Bei größeren Kundenarbeiten (z.B. bei Urkunden oder Texten über eine Seite oder mehr) mache ich erst einmal eine kleine Thumbnail-Skizze mit den richtigen Zeilenumbrüchen, die ich dann auf ein Papier in Originalgröße übertrage. Dort werden dann fein säuberlich Linien gezogen und einmal vorgeschrieben, ob sich der Text so ausgeht. Wenn ich damit dann zufrieden bin, gehe ich ans Lightpad und pause die Linien auf das Originalpapier durch. Dann markiere ich, wo die Zeilen beginnen und enden sollen und überprüfe noch einmal die Balance. Die Vorskizze lege ich dann vor mich und schreibe noch einmal mit Bleistift ganz zart auf das Originalpapier.
Welche „Technik“ bevorzugst du?
Spitzfeder-Kalligrafie.

Mit welchem Material letterst du am liebsten? (Stift, Papier, …)
Mit einem obliquen Federhalter aus Holz und einer mittelharten Feder (z.B. Gillott 404 oder Zebra G) und Walnusstinte oder selbstgemixten Pigmenttinten auf Hahnemühle Nostalgie-Papier. Haaaaaach. <3

Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, damit ein Lettering schön aussieht?
Für mich ist eigentlich die Buchstabenform das wichtigste. Man sieht, ob jemand sich mit den Grundlagen beschäftigt hat – die Linien haben dann eine ganz andere Qualität. Bei blutigen Anfängern bewundere ich oft die kreativen Techniken, die eingesetzt werden. Das kann auch schon mal von den Formen ablenken und sehr schön sein. Und natürlich ist ein ausgewogenes Layout auch sehr wichtig. Damit kämpfe ich selbst oft.
Welche Tipps & Tricks helfen dir am Meisten?
- Immer wieder den Stift absetzen.
- Das Papier so drehen, dass das Schreiben angenehm ist.
- Wenn es mal nicht so flutscht, Katze streicheln. 🙂
